Samstag, 1. April 2006 – Anreise mit Hindernissen
„Patsch!“, landet die Pranke meines Mannes auf meinem rechten Oberarm. „Ist es schon soweit?“, frage ich, noch halb in meiner Traumwelt aus bayrischen Bergen und Schnee. „Schatz, wir können nicht fahren.“, höre ich unheilvoll Rainers Stimme. Ich blinzle auf den Wecker: Es ist 2 Uhr 30. „Was ist?“, frage ich weiter. „Wir wollen doch erst um 6 Uhr los.“ „Ich habe Geräusche auf dem Dachboden gehört. Knabbern und Tippeln. Da müssen irgendwelche Nager sein, wahrscheinlich in der Zwischendecke, vielleicht ja auch schon im Wohnbereich.“
Mir wird unheimlich. Rainer schaltet das Licht an. „Wenn wir Tiere im Haus haben, können wir nicht einfach für eine Woche in den Urlaub fahren. Wir müssen etwas unternehmen.“, sagt er, während er das Zimmer mit einer Taschenlampe ausleuchtet.
Der Gedanke, dass unser Bayernurlaub ins Wasser fallen könnte, missfällt mir sehr. So lange schon freuen wir uns auf die Landschaft des Bayrischen Waldes, die Pferde auf dem Schoberhof, bayrische Kost... Bayern hin, Bayern her - die Vernunft muss hier die Oberhand behalten. Wir beschließen, den Morgen abzuwarten und die Abfahrt zu verschieben. April, April? Nein! Wir haben zwar den 1. April, aber das ist kein Scherz, genauso wenig wie die Tatsache, dass Oma heute Geburtstag hat.
Um 6 Uhr geht der Wecker. Unausgeschlafen ziehen wir uns an, packen die restlichen Urlaubsutensilien. Unsere Kinder, Carolina und Franca, lassen wir zunächst schlafen. Um 8 Uhr machen die Bremer Baumärkte auf. Rainer fährt los, und besorgt das Material, um mögliche Schlupflöcher zum Dach zu schließen. Eins ist klar: wenn wir heute noch bei Schober ankommen sollten, wird es frühestens der Abend sein.
Gegen 11 Uhr geht es endlich los. Als Entschädigung für das Nagerunglück der Nacht sind immerhin die Autobahnen frei. Zügig fahren wir durch das Schmuddelgrau des gerade erst begonnenen Frühjahrs.
Nach siebeneinhalb Stunden Fahrt über Kassel, Würzburg und Regensburg, kommen wir wohlauf und hundemüde auf dem Schoberhof in Neukirchen an. Freundlich und unkompliziert werden wir sogleich vom Hausherrn begrüßt. „Ich bin der Alex und ihr seid die Bremer!“ Auch Jörg, der Koch und Pauline vom Service heißen uns herzlich willkommen. Nach einem reichlichen Abendessen mit Suppe, Salat, Spätzle, Schweinsbraten und Grießpudding im Gasthaus, fallen wir müde in unsere Betten. So ist es gut. Auf den Kopfkissen sitzen süße kleine Hasen. Aprilhasen! Sie sind aus Schokolade. Aus der Wohnküche hören wir noch das Feuer im Kaminofen knistern, dass uns Alex vor unserer Ankunft hat anzünden lassen.
Sonntag, 2. April 2006 - Orientierung
Nach einem erholsamen Schlaf erwache ich noch vor dem Weckerklingeln. Meine Kopfschmerzen vom Vortag sind verflogen. Mit der Vorfreude auf den ersten Urlaubstag (der ja eigentlich schon der zweite ist ... doofe Nager!) springe ich rasch unter die Dusche. Es hat die ganze Nacht geregnet und gewittert, doch gerade ist es trocken. So beschließe ich, vor dem Frühstück, eine kleine Erkundungstour mit unserem Hund zu machen. Bis die anderen drei fertig sind, wird es ohnehin noch dauern.
Es ist kurz vor neun, als ich mit Thea, unserer Neufundländerhündin, die Straße vor dem Schoberhof überquere. Auf der anderen Seite geht es nach ein paar Schritten gleich auf mehrere ausgewiesene Wanderwege. Ich gehe am Bach entlang. Bach ist zurzeit nicht ganz die richtige Bezeichnung, denn das sonst wohl harmlose Gewässer hat sich durch das Tauwetter zu einem rauschenden Wildbach gemausert. Kaum haben wir ein paar Schritte gemacht, geht ein fürchterlicher Schauer los. Auf dem Rückweg bekommen wir strahlenden Sonnenschein. Aprilwetter!
Nach dem reichhaltigen Frühstück mit frischen Semmeln und Müsli, Obst und mehr, zeigt uns Ulrike Schober, zusammen mit ihrem Nachwuchs, Anna und Michi, erst einmal die Pferde, die Ställe und alles rund ums Haus. Wir werden von einem freundlichen Ziegenpärchen begrüßt. Alles auf vier Beinen schaut uns neugierig an, denn wir haben Thea dabei. Nun muss man erst einmal herausfinden, ob unser großer schwarzer Hund Freund oder Feind ist. Dabei bleibt alles friedlich, denn die Tiere bei Schobers scheinen das „Böse“ der Welt nicht zu kennen. „Bei uns landet niemand beim Schlachter.“, sagt Ulrike Schober, selbst Vegetarierin. Alte Gäule kommen auf die Ranch, um ihr Gnadenbrot zu knabbern. Da erreichte die Stute Bärbel sogar das salomonische Alter von fast 40 Jahren. Und der Hase lebt nur deshalb als lebendiger Kletterberg oder Kuschelkamerad im Meerschweinchenstall, weil ihn die Hausherrin vor der Schlachtbank eines Nachhofes gerettet hat.
Nach der Besichtigung sammeln wir, bei einem kleinen Sonnenbad auf dem Balkon vor unserer Wohnung, noch Kräfte für die erste Reitstunde.
Um kurz vor zwei geht es dann zurück zu den Pferden. Caro bekommt „Moritz“, einen Haflinger, Franca
wird auf „Funny“ , ebenfalls ein hübsches Haflinger Pony, reiten, Rainer und ich bekommen „Cor de As“ und „Careful“, zwei riesige bayrische Warmbluthengste.
Beim Putzen und Striegeln wird uns klar, wie groß die Tiere sind und wie klein wir. Auf Zehenspitzen stehend, reicht mein ausgestreckter Arm gerade so auf den Pferderücken, dass ich ihn nur mit Mühe striegeln kann. Die Pferdewirtin und Reitlehrerin Elke und zwei erfahrene Reiter helfen uns beim Hufeauskratzen und Satteln, wobei wir eine erste Beziehung zu den Tieren aufbauen können.
Bereits beim Putzen wird mir sehr warm. Wie warm einem dann beim Reiten wird, hatte ich so nicht erwartet. In der Halle gibt heute Alex Schober den Ton an und die Pferde sind sehr gehorsam. Wir vier Anfänger lernen, einigermaßen richtig zu sitzen und uns auf den breiten Rücken zu halten. Nach ein paar Runden Schritt, lernen wir außerdem das Traben kennen. Am Ende der 30 Minuten haben wir das Gefühl, beinahe eine ganze Stunde absolviert zu haben. Stolz und glücklich gehen wir in unsere Ferienwohnung zurück.
Kleine Verschnaufpause, bevor wir am Nachmittag Besuch von Sabine und Marcus, aus dem 50 Kilometer entfernten Kleinstädtchen Deggendorf, bekommen. Marcus ist ein früherer Kollege von Rainer. Erstaunt stellen wir fest, dass unsere Freunde den Schobers bekannt sind. Denn Marcus ist schon lange mit einem Schwager der Hausherren befreundet. Die Welt ist klein.
Zusammen mit den beiden genießen wir vier am Abend das köstliche „Candle-Light-Dinner“. Mit Vittello Tonato, Lachscremesuppe,Schweinemedaillons zu Bärlauchtagliatelle und als Dessert Eierlikörparfait mit Orangen-Pfirsich-Spalten zeigt Jörg, der Koch, was er kann.
Nachdem wir unseren Besuch verabschiedet haben, machen wir noch eine Runde durch die dunkle Nacht. Dabei finden wir eine fette Kröte am Wegesrand, vertreiben ein paar bayrische Geister und ziemlich viele Wolpadinger.
Montag, 3. April 2006 – Reitstunde und Ausflug nach Straubing
Die erste Reitstunde vom Sonntag hängt uns noch in den Knochen. Rainer und die Kinder kommen schwer aus den Federn. Wir haben schließlich auch Urlaub. So gehe ich schon mal eine Runde mit dem Hund. Wieder nur ein paar Schritte vom Reiterhof entfernt, geht ein kleiner Rundweg, ein Erlebnispfad, am Perlbach entlang. Thea und ich suchen den Pfad. So haben wir heute Morgen ein kleines Abenteuer. Zwischen Pfützen und freigespültem Wurzelwerk suchen wir uns an dem kleinen wilden Gewässer unseren Weg. Immer wieder finden wir aufgestellte Tafeln, die über die heimische Tier- und Pflanzenwelt informieren.
Beim Frühstück kommt Alex um uns Bescheid zu geben, dass unsere heutige Reitstunde bereits um 11 Uhr beginnt. Und wenn wir Lust hätten, könnten wir am Mittag in seinem Bus mit nach Straubing fahren. Wir drei Frauen geben grünes Licht für Shopping in Straubing. Dann machen wir uns, etwas
aufgeregt, für die Reitstunde fertig.
Als wir in die Reithalle kommen, kümmert sich Ulrike Schober um unsere Mädchen. Sie fängt die Ponys Moritz und Fanny auf der Koppel ein und hilft Carolina und Franca, die Reihenfolge und Handhabung beim Putzen und Satteln einzuhalten. Uns Erwachsenen ruft Alex, freundlich lächelnd, zu, dass unsere Pferde bereits in den Boxen auf uns warten würden. Wir müssten sie nicht raus führen, sondern könnten „Careful“ und „Cor de As“ auch getrost in den Boxen für die Reitstunde fertig machen. Rainer steht bereits folgsam bei seinem Sportsfreund „Cor de“. Ganz schön mutig, denke ich, während ich zaghaft auf die Box von „Careful“ zugehe, als ich plötzlich ein hilfesuchendes „Burandt, komm doch mal.“ vernehme. Ein Blick in die Box und die Situation wird mir sofort klar: Ein riesiger brauner Gaul mit einer Schulterhöhe von 1 Meter 83 wundert sich (mit mir) über die hier unsichere, kleine Escheinung meines, sonst weder schüchternen noch zartgebauten, Gatten. Jedes mal, wenn Rainer versucht, sich „Cor de“ seitlich zu nähern, macht ihm dieser einen Strich durch die Rechnung, indem er ihm seinen riesigen Pferdeschädel zuwendet. Nach Rainers späteren Aussagen, gab der Gaul auch ein warnendes Knurren von sich...
Zum Glück kommt uns Ulrike Schober zur Hilfe. Sie kennt den Humor ihres Mannes und hat Mitleid mit Pferdelaien wie wir es sind!
Die Reitstunde brachte uns, mit der Geduld und dem Können von Reitlehrer und gut ausgebildeten Schulpferden, der ganzen Sache etwas näher. Wir Frauen haben nun immerhin eine Idee vom Traben. Und Rainer wird es irgendwann auch drauf haben, versichern wir ihm nun ständig, damit er den Mut nicht verliert.
Zu unserer anschließenden Straubing-Tour gesellt sich dann noch Nadja dazu. Von Kindheit an macht sie Urlaub bei Schober, früher mit den Eltern, heute allein. So ziehen wir vier Frauen durch Jeans-, Schuh und Buchläden der hübschen, beschaulichen Straubinger Fußgängerzone, während sich Alex Schober mit seinem Steuerberater „die Zeit vertreibt“. Wir bewunderten die Pestsäule und lassen uns am Ende bei Cortina ein großes Eis schmecken.
Auf dem Heimweg macht Alex, kurz vor Neukirchen, einen kleinen Zwischenstopp. Seine „heimliche Freundin“ entpuppt sich als die Schneiderin der Neukirchener Laienspieltruppe. Das lässt auch die beiden Mädchen wieder aufhorchen, als Alex von den vielbesuchten Aufführungen seiner Theatergruppe erzählt. Letztes Jahr im Sommer gab es „Räubertanz“, dieses Jahr „Hexenzauber“. Schade, dass wir dann nicht mehr hier sein können.
Nach dem Abendessen wollen die Mädchen im Zimmer noch etwas lesen. Rainer und ich bleiben im Gasthof um mit Nadja noch beim Bier zu scrabbeln. Später kommt Andi, Stallmeister, Maschinenmeister, kurz: „der Mann für alle Fälle“ und Alex zum schmatzen (= schnacken, quatschen) dazu. Ich freue mich schon auf die Wanderung am Dienstagnachmittag, da ich auch im Radio gehört hatte, dass das Wetter gut werden soll. Da erfahren wir vom schelmig grinsenden Alex, dass sie alle guten Wetterberichte in der vergangenen Woche für uns aufgenommen hätten...
Dienstag, 4. April 2006 – Ausflug nach St. Englmar/ Rodeo - Reitstunde
Wir bleiben beim Reiten, haben wir gestern Abend in Bierlaune beschlossen. Um 14 Uhr wieder mit der ganzen Familie in die Halle. Und um 16 Uhr geht’s mit Alex und anderen Hotelgästen auf die Alm zum Sepp! ... hat der Alex so gesagt und organisiert.
Vorher machen wir vier noch eine kleine Tour nach Sankt Englmar. Nur mal schauen, wie viel Schnee da noch liegt. Bis zu dem kleinen, bayrischen Skiort sind es nur 10 Kilometer. Bereits nach ein paar Minuten Fahrt, die stetig bergauf geht, sehen wir überall auf den Hängen immer mehr Schnee. In Sankt
Englmar parken wir beim Skigebiet des Predigtstuhls, der immerhin 1034 Meter hoch ist. Hier oben ist es deutlich kälter als im knapp über 500 Meter hohen Neukirchen. Am Wanderweg, im Wald bei den Loipen, versinken die Kinder vergnüglich kreischend im tiefen Schnee. Die meisten Menschen hier sind den Winter nun leid. Seid Ende November haben sie Schnee und Eis.
Uns hingegen bestätigen die Schneemassen in der Idee, es vielleicht mal mit einem Skiurlaub in Bayern zu versuchen. Reiten, Skilaufen, Wandern: Damit hätten wir genug zu tun.
Bei unserer Reitstunde kommt es dann wie erhofft. Auch Rainer hat es plötzlich heraus mit dem Trab. Damit wir uns alle nicht zuviel auf unsere Künste einbilden, zeigen uns die Vierbeiner dafür aber, dass sie immer noch Chef sind. Zuerst muss Franca dran glauben, als ihr Haflinger-Pony „Funny“ plötzlich im Galopp losgeht. Voller Schreck sehen wir anderen, wie die kleine Franca, wacker wie eine Rodeoreiterin, durch die Halle tobt. „Am Sattel festhalten, Franca. Am Sattel!“, ruft Alex immer wieder während wir anderen erblassen. Zum Glück kommt „Funny“ schon bald wieder in den Trab, doch mir als
nächster Reiterin ist schon fast klar, dass mir das Gleiche nun ebenso blüht. Vorsichtshalber halte ich mich schon mal fest, als „Careful“ dann auch prompt losgaloppiert. Wir haben es alle überlebt. Im
Reiterhof Schober gibt es keine Langeweile, dafür noch das wahre Abenteuer!
Nach demselben Motto verläuft denn auch unsere kleine Wanderung zur Reisach-Alm. Der Wetterbericht vom Vorabend scheint tatsächlich nicht ganz zu stimmen, denn statt Sonnenschein, fängt es schon bald nach unserem Start fürchterlich zu regnen an. Der guten Stimmung tut das keinen Abbruch. Die Strecke durch Wald und über Felder und Wiesen ist auch so schön, wir haben untereinander genug zu erzählen und freuen uns auf das Abendessen, dass der „Schober-Service“ vor unserer Ankunft bereits mit dem Bus auf die in knapp 1000 Meter Höhe liegende Alm gebracht hat. Völlig durchnässt, etwas kaputt und vor allem hungrig kommen wir nach gut eineinhalbstündiger Wanderung oben an. Mit lautem Hallo werden wir von Sepp Zilla begrüßt. Schnell ist Bier eingeschenkt und das Essen aufgetan. Mit Bauernbrot, Obatzda, Nudelsalat, Schwarzgeräuchertem und mehr stärken wir uns, bevor uns der Wirt einlädt, in seiner Scheune seinen Schatz zu bewundern: Ein
knallroter Porsche, Baujahr 1959. Wir sind verblüfft, denn wir wussten bis heute nicht, dass Porsche damals, neben Sportwagen, auch Landmaschinen gebaut hat. Denn das Gefährt, das der Bauer und Hobbywirt hier nun startet, ist ein Trecker. Als das Ungetüm laut knatternd unter freiem Himmel steht, kommt Rainer eine seltene Ehre zuteil. Er darf das Ding fahren. Vier Mädchen mit an Bord, auf der kleinen selbstangebrachten Ladefläche, geht es die Wiese hinterm Haus hinauf, während die Beifahrerinnen bei jeder Kurve laut losquietschen.
Wieder zurück in der gut geheizten Stube, gibt der Wirt erst einmal eine Runde Blutwurz, die scheinbar harmlose Schnaps-Variante des sonst hier so beliebten Beerwurz. Und schon steht die nächste Überraschung vor der Tür. Alex hat einen Musiker bestellt, der uns ab sofort mit Akkordeon und Gitarre bei Laune hält. Zu Alex Leidwesen sind wir als Norddeutsche in der Überzahl und singen La Paloma, Nordseewellen und mehr davon. Nadja stimmt dazu in ureigenem Berliner Slang „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten“ an. Aus einem Schnäpschen werden zwei, der Sepp nennt mich plötzlich Sabine und irgendwann zählt man in fröhlichen Runden eben nicht mehr so genau mit...
Ein lustiger Abend ist das, aber den Blutwurz vergess` ich so schnell nicht, denn seine 50 Prozent werden mir erst am Tag darauf schmerzhaft bewusst.
Mittwoch, 5. April 2006 – wir machen es uns gemütlich
Der heutige Tag geht müde an. Nach den vielen Erlebnissen, beschließen wir, heute einen ruhigen Tag zu verbringen. Vor dem späten Frühstück lesen die Mädchen ihre mitgebrachte Lektüre zuende. Danach schlägt Rainer ihnen vor, einen kleinen Ausflug nach Deggendorf zu machen. In der typischen bayrischen Kleinstadt besorgen sie sich neuen Lesestoff, während ich den Vormittag zuhause mit Lesen und Hundespaziergang verbringe.
Am Nachmittag haben die Mädchen in der Halle eine Longierstunde bei Elke und lernen ihre ersten Reit-Feinheiten. Franca bleibt danach, wie am Vortag, mit dem Nachbarsmädchen Jennifer bei „Funny“. Stundenlang flechten sie dem armen Pony Rasterzöpfe in die Mähne.
Rainer und ich wollen heute eine Reit-Pause und beschließen, es uns bei dem feuchtkalten Wetter vor dem Kaminofen gemütlich zu machen.
Bei Sauerkraut, Kassler und der köstlichen bayrischen Creme planen wir am Abend unsere nächsten Ausflüge für die verbleibenden Tage. Voller Bedauern müssen wir erkennen, wie schnell hier so eine Woche vorüber geht. Ob wir das Walken, Joggen, die Glashütte, den Ausflug in den Zoo und nach Regensburg noch schaffen können?
Gegen 21 Uhr kommt Franca als letzte aus der Gaststätte in die Ferienwohnung, wo sie mit Jennifer und anderen Kinder noch Gesellschaftsspiele gespielt hat.
Donnerstag, 6. April 2006 – Ausflug Glasbläserei und Schober - Ranch
Heute sind wir wieder munter. Die Sonne lacht und wir fahren nach dem Frühstück nach Arnbruck zur Glasbläserei Weinfurtner. Die Fahrt geht über St. Englmar und Kollenburg mit wunderbarer Aussicht auf die schöne Landschaft.
Im sogenannten Glasdorf bewundern wir bereits auf dem Parkplatz die vielen Glasgebilde, die sich vor dem Hütten- und Verkaufsgebäuden befinden. In der Hütte schauen wir zu, wie zwei Glasbläser nach traditioneller Methode das heiße Silikat verarbeiten. Leider verrichten sie ihre Arbeit stumm, ohne zu erklären. So müssen wir uns unseren eigenen Reim aus den Arbeitsschritten machen.
Danach verbringen wir unendliche Zeit in den Verkaufsausstellungen, in denen sich unsere Mädchen nicht entscheiden konnten, was sie sich als Souvenir mitnehmen sollen. Mit einem leckeren Stück Sahnetorte, Cappuccino und Eis beenden wir unseren Ausflug.
Schließlich wollen wir zu unserer letzten Reitstunde in diesem Testurlaub nicht zu spät kommen. Elke ist sehr geduldig mit uns und es macht uns, wie an den anderen Tagen, sehr viel Spaß, auch wenn ich heute (versonnen im Trab) manchmal innen und außen, rechts und links verwechsle, so das „Careful“
mich manchmal nicht recht verstehen kann. Am Ende bin ich doch ein wenig traurig, meinen Gaul verabschieden zu müssen. Wehmütig schaue ich ihm noch ein wenig in der drauffolgenden Reitstunde zu.
Anschließend sind wir mit Alex verabredet, um gemeinsam zur Schober-Ranch hinaufzufahren. Erst als Alex erscheint, erfahren wir von seiner Idee, dass Rainer doch einen seiner Traktoren hochfahren könnte... Rainer ist verblüfft, sagt aber gleich zu, ohne sich jegliche Zaghaftigkeit anmerken zu lassen. Dazu muss man wissen, dass die Schobertraktoren als sogenannte Fast Trucks ein wenig größer und mit deutlich mehr Pferdestärken unter der Haube ausgestattet sind als der kleine Porsche vom Sepp. Gefahren ist Rainer so etwas noch nie. Sein Beruf ist nicht Landwirt, sondern Innenarchitekt und wir wohnen in der Stadt! Mir ist unheimlich. Doch als Rainer mit Caro auf dem Riesending mit Anhänger hinter Alex auf seinem anderen Traktor hinterherfährt, bin ich beeindruckt und stolz. Mein Mann, der Treckerfahrer, fährt nun auf engen Landstraßen und Wegen hoch hinauf auf die Ranch. Oben angekommen, bewunderten wir das zweite Schober-Domizil, in dem auch die Schober-Seniors leben. Willi Schober zeigt uns bereitwillig die drei kleinen Ferienwohnungen und die Ställe und erzählt uns ein wenig von der Gegend und der diesjährigen Schneekatastrophe. Hier in der idyllischen Abgeschiedenheit könnten wir uns ebenso gut vorstellen unsere Ferien zu verbringen, auch wenn man sich hier oben selbst versorgen müsste. Reitunterricht wird hier ebenso gegeben.
Freitag, 7. April 2006 - Ausflug zum Wildgarten nach Furth am Wald
Heute ist unser letzter aktiver Tag. Und da wollen wir es noch mal richtig wissen. Schon um 8 Uhr 30 starten wir unseren Ausflug zum Wildgarten nach Furth am Wald. Ein Muss für jeden Naturliebhaber (Telefon: 09973-2933) Alex hat eine Führung mit Uli Stöckerl, dem Erfinder und Betreiber, um 10 Uhr organisiert, Nadja kommt mit. Mit seinem begnadeten Erzähltemperament zieht er uns, zusammen mit den Jugendlichen einer Schulklasse, in seinen Bann. Er lässt die coolen Jungs von Flusskrebsen kneifen, setzt einem anderen einen Salamander auf die Hand und neckt die Mädels mit dem vertrockneten Stamm einer Herkulesstaude. Ein Highlight ist der begehbare Raum unter dem
Wasserspiegel seines Teiches. Wie durch ein Schaufenster schauen wir in das Innere des Teiches, in dem es von einheimischen Fischen wimmelt. Zum Schluss machen wir einen ausgiebigen Spaziergang durch das spannend gestaltete Gelände, in dem wir, neben Ausgucken, Insektenhäusern, Baumstamm-Infobüchern, immer wieder von Künstlern ausgestellte Holz- oder Metallwesen bewundern. Der Further Wildgarten hat uns stark beeindruckt und mit Uli Stöckerl sehr viel Spaß gemacht. Schade, dass es solche Projekte so selten gibt. Bewundernswert, mit welchem Engagement und Eifer Uli Stöckerl seinen Wildgarten betreibt. Denn für seine Mühen bekommt er keine staatliche Förderung.
Gut gelaunt gehen wir im Waldgasthof eine Kleinigkeit essen um für die nächste, von Alex organisierte, Etappe am Nachmittag gerüstet zu sein. Rolf Schüler hat im Ort ein kleines Paradies aufgebaut. Die „Erlebnis Welt Flederwisch“. (Am Lagerplatz 5, Tel.: 09973/1229), in dem er die alten Handwerkskünste der Papierschöpfer und Schmiede vorführt. Kinder werden sofort mit einbezogen und sind begeistert bei der Sache. In seinem Temperament steht er Uli Stöckerl in nichts nach und hält auch uns Erwachsene bei guter Laune. Er erzählt abenteuerliche Geschichten über die vielen Funde, die hier in seinem kleinen Dachbodenmuseum ausgestellt sind und später versuchen uns die Kinder beim Goldwaschen noch reich zu machen. Aber das Gold reicht nur für kleine Souvenirs im Drachen- und Ritterladen. Später erfahren wir, dass Rolf Schüler vom „Flederwisch“, zusammen mit Uli Stöckerl vom „Wildgarten“ in Furth am Wald einen unterirdischen Irrgarten oder ähnlich Aufregendes baut. Die
beiden darf man sich wirklich nicht entgehen lassen!
Ein wenig kaputt kommen wir am späten Nachmittag zurück zum Schober-Hof. Doch keine Zeit für lange Muße. Für den Abend hat Alex im Garten des Neukirchener Schusters ein Pizzabacken organisiert. In dem alten Ofen gelingen sie besonders gut. Die gesamte Gasthausmannschaft, Angestellte und Gäste, sind dabei. Jeder belegt sein Pizzablech nach eigenen Wünschen und lässt sich heute die Getränke vom Kochlehrling unter freiem Himmel servieren.
Durchgefroren sind wir die letzten, die mit Alex ins Gasthaus zurückgehen. Nachdem das Kaminfeuer brennt, fordern uns die „Einheimischen“ auf, an ihrem Wettkampf teilzunehmen. Dafür muss jeder einen großen Nagel in einen dafür hergerichteten Baumstamm schlagen, aber mit der flachen Seite eines Maurerhammers. Das ist gar nicht so einfach. Nachdem Rainer zunächst durch seinen kräftigen Schlag den Männern imponierte, arbeiten sich Nadja und später Franca mit kleinen Treffern nach vorne. Beinahe wird Rainer von seiner kleinen Tochter in einer der Runden geschlagen. Und am Ende muss Rainer tatsächlich als Verlierer eine Runde Schnaps ausgeben. Lustige Geschichten über legendäre Ausritte und spezielle Macken bestimmter Pferde und Reiter runden den zünftigen Abend ab.
Samstag, 8. April 2006 - Abreise
Nach dem Frühstück schaffen wir das Gepäck, erst in der Nacht und am frühen Morgen verstaut, ins Auto. Nach einer herzlichen Verabschiedung fahren wir los. Schade, viel zu kurz dieser Urlaub! Wir wollen gerne wiederkommen, nach Bayern zu Schober. Bald!
